Kids von heute!

by Heute on 13. November 2011

Ich erinnere mich heute daran, als ich meine Nichte zufällig traf – sie war 13 – und sie
mit meinem Auto zum Nachmittagsunterricht fuhr.
Natürlich hätte ich sie gerne bis zur Eingangstür der Schule gefahren, aber ich musste
sie an der Straßenecke rauslassen und sie lief den Rest von knapp 300 m zur Schule.
Jetzt dürfen Sie raten warum? Klar, ich fahre den o.g. 12 Jahre alten Ford Fiesta.
Es wäre für meine Nichte der Super-GAU gewesen, wenn sie vor der versammelten
Klasse aus einem alten, klapprigen Ford Fiesta ausgestiegen wäre.
Aber wenn ich ehrlich bin: Ich habe Verständnis dafür.
Sie hätte damit – in den aktuellen Worten ausgedrückt – die Arschkarte gezogen.
Aber auch wenn ihre Mitschüler wissen, daß ihr Vater ein Autohaus betreibt und ein
weitaus schöneres Auto fährt als ich – es hätte nichts daran geändert, das ein paar
Minuten über sie gelacht worden wäre.
In diesen Situationen empfindet man einfache Armut als Schande – obwohl meine
Nichte absolut nichts mit meiner “Armut” zu tun hat.
Ihr Problem wäre einfach gewesen, daß sie den Fehler begangen hätte, sich von einem
“uncoolen Looser” in die Schule fahren zu lassen.
Hätte ich einen Porsche, würde sie wohl jeden Tag betteln, ob ich sie zur Schule
fahren könnte – wenn möglich bis ins Klassenzimmer.
Wenn ich meine Schulzeit mit der heutigen vergleiche, bekomme ich den Eindruck,
daß sich die Verhältnisse gedreht haben.
Voller Neid blickte die grosse Masse auf – auf die wenigen, die die teuersten Klamotten und das beste Rennrad hatten.
Heutzutage blickt die grosse Masse nach unten – voller Mitleid, aber auch voller
Schadenfreude. Solange es jemanden gibt, dem es schlechter geht wie uns – und sei es nur finanziell- dann geht es uns gut.
Auf denen, die dann so mitleidig von oben betrachtet werden, lässt es sich dann
leicht rumtrampeln, auf den sogenannten “Loosern”.
Wir hatten früher niemanden, auf dem wir so herumtrampeln konnten.
Aber die meisten von uns wollten das auch nicht. Und die, die die teuren Klamotten
trugen, liessen uns, die “Normalos” auch in Ruhe.
(Natürlich gab es auch einzelne Ausnahmen).
Das Erschreckendste an den ganzen Veränderungen, die sich in den letzten Jahr-
zehnten ereignet haben, ist die zunehmende Verrohung, oder auch Abstumpfung
in manchen Denk- und Verhaltensweisen.
Statistiken beweisen, daß heutzutage nicht nur schneller körperliche Gewalt an-
gewendet wird, sondern daß sich diese körperliche Gewalt in der Art der Brutalität
sehr geändert hat.
Früher brauchte es noch einen driftigen Grund, zuzuschlagen.
Da wurde der Kontrahent auf den Boden geworfen, und das reichte meist schon.
Heutzutage wird aus nichtigen Gründen eine Schlägerei angezettelt, und es ist
nicht erst vorbei, wenn einer auf dem Boden liegt.
Nein, es wird solange nachgetreten, bis sich das Opfer nicht mehr bewegt.
Ich sehe hierfür 3 Schuldige:
Zum einen haben es die Eltern verpasst, ihren Kindern die richtigen Werte zu ver-
mitteln. Einfach gesagt: Den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen,
Respekt zeigen, und sich an bestimmte Regeln zu halten.
Aber leider ist es so, daß sich die meisten Eltern zu wenig Zeit für Ihre Kinder nehmen
und nehmen können, was dann automatisch zu Punkt 2 führt:
Die Medien. Vergleicht man das Medien-Angebot aus unserer Zeit mit dem heutigen,
erkennt man die gewaltigen Unterschiede.
Ich kann mich an die 80er Jahre erinnern, als die Vergewaltigungsszene in der
Schwarzwaldklinik für einen heiss diskutierten Herzinfarkt sorgte, der wochenlang
Thema in allen Zeitungen war.
Vergleichen wir das mit heute: Lächerlich.
Derartige Szenen können wir heute vielfach im Vormittagsprogamm jedes zweiten
Fernsehsenders sehen.
Und die Teenager von heute tun dies. Täglich.
Die nachkommenden Generationen werden immer mehr vorm Fernsehgerät und
vorm PC alleingelassen, ohne das ihnen jemand erklärt, was von dem, was da
zu sehen ist, gut oder schlecht ist.
Irgendwann ist es für ein Kleinkind normal, das der prügelnde Onkel bei der
Filmschlägerei auch nach dem 100 Schlag ins Gesicht immer noch topfit weiter-
kämpft.
Ich habe schon oft 4-6 jährige spielen sehen, die mit geballter Faust auf einander
einschlagen – normales kindliches Nacheifern.
Die Frage ist, ob sie einen Unterschied zur Filmschlägerei erkennen, wenn sie
selbst einmal nach einem Treffer die Schmerzen der Realität spüren.
Das hört sich zugegebenerweise hart an, aber es ist so.
Wie oft bin ich im Spiel schon von einem Kleinkind mit einem gedachten
Revolver erschossen worden! Aber woher soll dieses Kind denn wissen, was
es tut, wenn niemand da ist, und ihm erklärt, was es gerade tut?
Aber das ist für viele Eltern die einfachste Lösung: Wir alle kennen Sätze
wie “Schalt den Fernseher ein, dann ist er schön ruhig!”
Wobei wir auch wieder beim Thema “Dazugehören” sind: Heutzutage ist man
als Kind “uncool”, wenn man keinen eigenen Fernseher in seinem Zimmer hat.
Und sollte dies nicht der Fall sein, finden die Kinder Mittel und Wege, ihren
Willen bei den Eltern durchzusetzen.
Denn die Eltern wissen genau, daß sie sich jede Menge Ärger ersparen, wenn
endlich so eine Flimmerkiste im Kinderzimmer steht.
Aber dies ist in der Regel ein Trugschluss. Den Ärger, den man sich jetzt so
leichtfertig erspart, bekommt man später um vielfaches zurück.
Die Eltern vergessen viel zu schnell, daß sie für ihr Kind nur einmal die Chanche haben,
es richtig zu erziehen. Das geht nicht einfach irgendwann später einmal , wenn sie sich die Zeit nehmen können oder wollen.Jetzt und heute ist der einzig richtige Zeitpunkt.
Und bevor sie es realisieren, ist ihr Kind längst ein Verdummungsopfer der Medien geworden.
Ich muss das so hart ausdrücken. Wir waren früher auch Opfer der Verdummung, das
möchte ich nicht leugnen. Aber irgendwie hielt sich das bei uns noch im Rahmen.
Verdummt werden wir, sobald wir – oder eigentlich unsere Eltern – es zulassen, daß uns irgendeine schwachsinnige Sendung in ihren Bann zieht.
Wobei wir schon wieder beim Thema “Dazugehören” angelangt sind.
Wer will schon still danebenstehen, wenn alle über die neuesten Ereignisse im
Dschungelcamp diskutieren?
Oder was ist es für eine Schande, nicht zu wissen, wer denn jetzt aus dem Big-
Brother-Haus geflogen ist? Oder wer sich bei “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” von
wem getrennt hat. Oder wer mit wem geschlafen hat?
Deshalb müssen gerade die Teenager von heute über diese Dinge 100% informiert
sein, wenn sie nicht zum Aussenseite und “Looser” abgestempelt werden wollen.
(Beim Thema “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” muss ich noch dazusagen, daß ich regel-
recht erschrocken bin als ich las, daß diese Sendung die Teenager als Zielgruppe hat.
Wenn die Zielgruppen-Teenager diesen Großstadt-Müll mit seinen flachen Dialogen und anspruchslosen Handlungen als Realität fürs wahre Leben sehen – dann gute Nacht…
Es wird dann als normal angesehen, daß man als Frau nur mit jedem schnell ins Bett
hüpfen muss, um seine Ziele zu erreichen. Und wie man gekonnt intregiert, lernt man
auch…)
Was die zunehmende Verrohung und Abstumpfung betrifft, gebe ich die Schuld
neben dem Versagen der Eltern und dem Fernsehen auch zu einem grossen Teil
dem Computer – besser gesagt dem Internet.
An irgendwelche Kindersicherungen im Netz brauchen wir nicht zu denken, denn was
bringt der beste Schutz am heimischen Rechner, wenn ihr 10-Jähriger am PC seines
Freunde die ersten Erfahrungen mit der Pornoindustrie macht ?
Genau, nichts. Und selbst wenn er nur am heimischen Rechner sitzt, irgendwann
knackt er wahrscheinlich die Kindersicherung.
Es gibt heutzutage Websites, auf denen sie nach Eingabe des Namens exakt
2 Klicks (in Worten: ZWEI!) brauchen, um einen Hardcore-Pornofilm anzuschauen.
Mit dem ersten Klick, bestätigen Sie, daß sie das 18. Lebensjahr vollendet haben,(ein sehr effizienter Schutz…)
und mit dem 2. Klick können sie aus tausenden Filmen ihren Favorit wählen.
Diese Möglichkeit, etwas verbotenes zu tun, spricht sich gerade bei der “Nicht-Zielgruppe”- den Kindern – bei Bekanntwerden wie ein Lauffeuer herum.
Wahrscheinlich hat ein durchschnittlicher 12-Jähriger mit eigenem PC heutzutage
mehr Pornofilme konsumiert, als wir zu unserer Zeit mit 18.
Aber die Frage, die sich hier stellt, lautet: Wie könnte man das verhindern?
Ich denke, es gibt viele die es verhindern könnten, das Ihre Kindern von schreienden
Pornodarstellern aufgeklärt werden.
Aber das ist einfach gesagt. In den eigenen 4 Wänden hat man die Möglichkeit.
Aber kein Elternteil kann 24h am Tag neben seinem Kind stehen und aufpassen,
daß es keine Pornofilmchen auf sein Handy geschickt bekommt.
Für dieses ganze Dilemma sehe ich als 3.Schuldigen: Die Regierung.
Besser gesagt, alle Regierungen.
Es wäre – auch wenn viele wieder aufschreien – technisch möglich, bestimmte
Dinge im Internet nur denen zugänglich zu machen, die es auch sehen dürfen.
Normalerweise sollte dies eine der wichtigsten Aufgaben – wenn nicht die wichtigste
Aufgabe – des Staates sein, dafür zu sorgen.
Dies betrifft das Fernsehen genauso. Was vor Jahren noch undenkbar war, läuft
heutzutage im Kinderprogramm.

“Aber die Kinder von heute sind ja viel reifer als früher und viel früher erwachsen, die halten das ja alles aus.”

Ihnen wird aber meist nur vermittelt, daß man nur mit List und Tücke an seine
Ziel kommt, daß man beim kleinsten Ärger erst einmal draufschlagen soll, um dann
vielleicht mal nachzufragen.
Und daß es normal ist, sich beim kleinsten Problem an der Theke mit Alkohol zu-
zuschütten – und daß man nicht früh genug mit dem Alkoholkonsum beginnen kann.
Wer dazugehören will, muss auch desöfteren seine Trinkfestigkeit beweisen.
Wobei wir schon wieder beim Thema dazugehören sind.Dies betrifft aber leider auch das Thema Sex – worauf ich hier jetzt aber nicht näher
eingehen will.
Aber die Kids von heute erkennen auch ziemlich schnell, daß man -selbst wenn man strohdumm
ist – noch Karriere machen kann. Warum da noch arbeiten?
Wie heisst es so schön: “Wenn ich keine Lehrstelle finde, werde ich eben
Superstar!”
Und trotzdem möchte ich diese Generation abschließend in Schutz nehmen.
Sind wir doch mal ehrlich:
Wie würden wir leben, wenn wir heute zwischen 12 und 16 Jahre alt wären?
Kein bisschen anders.Und unsere Eltern würden
uns genaus wenig verstehen wie damals.

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