Und wir, was machen wir heute?

by Gestern on 6. November 2011

Das wichtigste am Anfang: Wären wir – und mit “wir” meine eigentlich alle so ungefähr zwischen 25 und 65 – heute zwischen 12 und 16 Jahren alt, wir würden sehr wahrscheinlich genauso leben, wie es diese Altersgruppe jetzt tut.
Und all das, was wir aus unserer Sicht als mal kindisch, mal absolut bescheuert oder
einfach als Spinnerei sehen, würden wir auch mitmachen.
Oder besser gesagt: Hätte es alles das – worauf ich noch näher eingehen werde -
in unserer Kindheit gegeben, wir wären wahrscheinlich so ziemlich alle dabei
gewesen.
Ehrlich gesagt ist dieser Artikel auf unser WebHeute.de ein Versuch, die Teens unserer Zeit zu verstehen.
Es ist schon unglaublich, welche Neuerungen ihnen – im Vergleich
zu den Kindern der 60er – 80er – heute zur Verfügung stehen.
Wenn wir zurückdenken haben manche noch jene Zeit in Erinnerung,
in der ein grosses hölzernes Radio im Wohnzimmer das einzige Medium war.
Danach folgte die Zeit, als man abends in einen Schwarz-Weiss Fernseher schaute,
und die jungen Erwachsenen – wenn das nötige Kleingeld vorhanden war –
Musik aus kleinen, tragbaren Radioemfpfängern hörten.
Und schon damals gab es Eltern die – so wie heute – mit dem Musikgeschmack ihrer
Kinder überhaupt nichts anfangen konnten.
Diese konnten wenige Jahre später ihre Lieblingsmusik den ganzen Tag rauf und
runter hören – solange das gute Tonband hielt und nicht ausleierte.
Nach dem Tonband begann der Siegeszug der Schallplatte, deren Ende dann
mit der Einführung der Compact-Disc bekannt gegeben wurde.
(Doch das gute alte Vinyl wehrt sich bis heute erfolgreich gegen seine vollständige
Ausrottung.)
Heute sind wir allerdings – mit dem Umweg über den reinen MP3-Player – schon
beim Multifunktions-Handy angekommen, das das abspielen von Musiktiteln längst
als Standard mitbringt. Nebenbei kann es noch im Internet surfen, Fotos machen
und – man glaubt es kaum – man kann damit sogar Telefonate führen.
Aber unabhängig davon, welches Medium in welcher Zeit aktuell war, eines war
und ist bis heute gleich geblieben: Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen.
Viele Mittdreissiger oder Mitvierziger sind sich sicher, daß sie diesen “ganzen Quatsch”
nie und nimmer mitgemacht hätten.
Das sagt sich leicht. Aber sehen wir der Realität doch mal ins Gesicht:
Die wenigsten von uns – und das ist ein sehr sehr geringer Prozentsatz, hat sich
damals komplett anders verhalten wie die grosse Masse.
“In-Sein” und “dazugehören” gab es schon immer und wird es immer geben.
Wären wir heute 13 oder 14 Jahre alt, die wenigsten von uns könnten – so wie die
heutigen Kinder auch – ohne ein Minimum an Markenklamotten, ohne ein aktuelles
Handy und vielleicht auch ohne eine Spielekonsole leben.
Die Kritiker werden jetzt laut rufen: “Blödsinn! Es kommt nicht auf die Klamotten an!”
gefolgt von dem berühmten Satz: “Armut ist keine Schande!”
Toller Spruch, aber seien wir doch mal ehrlich: Sie fahren tagtäglich in ihrem schönen
neuen Mercedes durch die Stadt und denken sich nichts dabei. Aber steigen Sie doch
mal in einen 12 Jahre alten Ford Fiesta und beschreiben Sie nach
einer längeren Fahrt durch die Stadt, wie Sie sich gefühlt haben, wenn Sie an der Ampel
oder am Fußgängerüberweg mitleidige Blicke geerntet haben.
Wenn Sie meinen, die Fahrt war so wie immer, und alles war normal, dann fahren
Sie doch mit dieser Klapperkiste nach Hause und parken Sie so vor ihrem Haus, dass
Sie alle Nachbarn sehen.
Denen können Sie dann erklären, was Sie wollen – allein durch das ankommen mit
einem rostigen Kleinwagen haben Sie in ihrer kompletten Nachbarschaft das Gerücht
verbreitet, das sie wohl arge Geldprobleme haben. Was für eine Schande!
Testen Sie es doch mal!
Was ich damit sagen will ist, daß Sie nach dieser Fahrt meiner Meinung nach nicht
verleugnen können, sich komisch gefühlt zu haben.
Die meisten würden dieses Gefühl so ausdrücken: “Ich habe mich geschämt!”
Um wieder auf die Teenager von heute zurückzukommen:
Es wird keineswegs von Schande geredet, es ist dann eben einfach “megauncool”,
oder man ist ein “Looser”, wenn man nur die Billig-Klamotten aus einer namenlosen
Grosshandelskette trägt, und auch noch das Geld für ein Handy fehlt.
Diejenigen, die ein solches Schicksal ereilt hat, sind in den meisten Fällen die aus-
gegrenzten Einzelgänger, die Aussenseiter.
Manche von ihnen gehen daran kaputt, andere wiederum werden gestärkt, wenn sie
in der Lage sind, über der Sache zu stehen. Was leider die wenigsten können.
Und glauben sie mir eins: Die meisten Teenies erkennen den Unterschied zwischen
coolen Markenklamotten und Billigware mit verbundenen Augen und Gegenwind.
Ich habe das Gefühl, das diese Kids neben der Schule noch Marken und Preise
büffeln.
Testen Sie es doch mal: Fragen Sie einen Schüler, ein Kind von Bekannten
oder eines aus ihrer Verwandschaft, was es zu den Klamotten eines anderen Kindes
sagt, oder zu dessen Handy.
Sie werden überrascht sein, was sie alles erfahren.
Sie glauben mir nicht? Nach dem Test werden Sie es, versprochen.

Verstehe einer die Jugend von heute

Die Frage ist, wie wir diese jungen Leute verstehen können.
Aber denken Sie mal zurück: Genau diese Fragen haben sich unsere Eltern einmal
gestell, unsere Grosseltern haben sich diese Frage im Bezug auf Ihre Kinder gestellt,
und die Kinder, die wir jetzt nicht verstehen können, werden sich genau diese Frage
in 15 bis 20 Jahren auch stellen müssen. Und sie werden genausowenig wie wir
eine brauchbare Antwort finden.
Unsere Eltern haben damals ein Riesentheater gemacht, als wir unsere Schallplatten aufgelegt haben und so laut es ging Hardrock gespielt haben.
Dasselbe Theater wie damals, als sie zu Rock`n Roll diese “obszönen” Bewegungen
gemacht haben. (Zitat widerum von deren Eltern).
Und wir, was machen wir heute? Wir verstehen nicht, wie es interessant sein kann,
jede Stunde seinen Handy-Klingelton zu wechseln, von Deutschland sucht den Super-
star zu träumen, und sich komische Bands, die halbnackt unverständliche Sätze auf
MTV und VIVA rappen, anzusehen. Und das in Klamotten, die aus unserer Sicht doch eindeutig ein paar Nummern zu gross sind.Aber das “verstehen wir nicht”, wie ich mir schon öfters sagen lassen musste.

Die Kids von heute

Ja die Kids von heute sind in der traurigen Situation, alles wissen zu müssen, was
nur ansatzweise aktuell ist, damit sie eine Chanche haben, in ihrer für uns so
seltsamen Welt einigermaßen dazuzugehören.
Wobei wir wieder bei dem entscheidenden Stichwort sind: Dazugehören.
Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern. Da mussten wir eigentlich nicht
viel tun, um “dazuzugehören”. Es war eher anders herum, wir mussten vielmehr
etwas tun, damit wir nicht mehr dazugehören.
Ich weiss noch wie es auf meiner Schule war: Da waren nicht alle in tollen und
teuern Klamotten unterwegs. 99% von uns waren eigentlich ganz normal, und keiner
hatte großartig etwas besonderes.

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